Die Preysinger

Das bekannte urbayerische Adelsgeschlecht derer von Preysing läßt sich urkundlich bis in das 8. Jh. zurückverfolgen. Schon im Jahre 782 baute ein Preysing - ,,fater de Prisinga" - in einem Dorf Preysing eine Kirche und schenkte sie an das Domstift zu Freising.
Er dürfte der Ahnherr des Geschlechts der Preysing sein.

In den Jahren 926-1242 kennt dieses Geschlecht vier Alhart v. Preysing auf Altenpreysing, die sich aufeinander folgten. Alhart III. war Ministeriale des Pfalzgrafen Otto v. Wittelsbach und hatte mehrere Kinder: eine Tochter und die Söhne Friedrich, Heinrich und Alhart IV. Alhart IV., der vor 1242 in der Geschichte öfter genannt wird, hatte vier Söhne: Perchthold, Conrad, Greimold und Heinrich. Letzterer ehelichte 1266 die Tochter des Hoholt, gab sich auch den Beinamen Hoholt - ,,dictus de Hoholtcc - brachte durch die Heirat den ansehnlichen Allodialbesitz der Hoholt in Wolnzach an sein Geschlecht und wurde der Anherr der mächtigen Linie der Wolnzacher Preysing. 

Heinrich von Preysing begleitete den letzten Hohenstaufen Konradin im Jahre 1268 auf dessen unglücklichen Italienfeldzug, geriet dabei in Gefangenschaft und konnte sich nur mit einer hohen Lösungssumme freikaufen. Diese Gefangenschaft ,,apud latinos" erwähnt Heinrich in einer Urkunde aus dem Jahr 1270, mit der er nach dem Willen seiner - während seiner Gefangenschaft verstorbenen - Hausfrau Agnes dem Kloster Altenhohenau einen Hof zu Lern (hei Langenpreising, Lkr. Erding) zu einem Jahrtag übergab. 

Bischof Heinrich II. von Regensburg, Graf von Rottenegg bei Geisenfeld, veranlaßte am 28. August 1285 seinen Ministerialen Heinrich von Preysing, zu seinem Seelenheil für die Mönche zu Scheyern 80 Pfund Pfennige als Zehent zu zahlen, mit der Erlaubnis, diese Summe bei den Juden aufnehmen zu dürfen, falls die Preysing die rechtzeitige Zahlung nicht einhalten würden. Möglicherweise hängt diese Auflage damit zusammen, daß Heinrich dem mit dem Kirchenbann belegten Konradin gedient hatte. 

Noch im 13. Jh. erhielt Heinrich von Herzog Ludwig dem Strengen, dem Onkel Konradins, als Entschädigung (für Gefangenschaft und Kriegsdienst) Güter zu Frickendorf aus Mitteln der sog. Konradinischen Schenkung.1275 und öfter finden wir Heinrich im Gefolge Herzog Ludwigs des Strengen. 

Heinrich 1. von Wolnzach war Vater von drei Söhnen: 1. Perchtold; er ist 1341 als Canonicus und Tabellio (= Notar) am Dom zu Regensburg gestorben. 2. Hanns; er heiratete 1300 eine Petrissa Sattelbogerin, die ihm einen Sohn Ulrich schenkte. 3. Heinrich (II.), ein bedeutender Edelmann, der bei Kaiser Ludwig d. Bayern in hohem Ansehen stand. Er war in 1. Ehe (1290) mit einer Freundsbergerin, in 2. Ehe (1310) mit einer Losset von Taufkirchen verheiratet. Heinrich II. war ein tüchtiger Edelmann, den Kaiser Ludwig der Bayer in hohen Ehren hielt. Er tritt urkundlich erstmals im Jahre 1300 als ,,Preisinger von Wollenzach" auf. Erste erhaltene Originalurkunde dürfte die von Heinrich dem Preisinger von Wollentzach ausgestellte Urkunde vom 19. Juli 1306 sein; in diesem Jahr lieh ihm Bischof Konrad von Regensburg 50 Pfd. Pfennige. 1307 verglich er sich mit dem Kloster Weihenstephan wegen Teilung der Leibeigenen. 1314 verkaufte er dem Abt Hartwig zu Weltenburg und seinem Kloster die Vogtei auf drei Güter zu Wolnzach, die schon sein Vater besaß, um 24 Pfund Regensburger Pfennige. 1315 besaß er das Gericht Rosenheim, welches schon sein Onkel Konrad, seines Vaters Bruder, 1287 als Unterpfand erhalten hatte. 1318 entlehnte er von Hermann dem Reichen zu Regensburg 175 Pfund, wohl um seine Rüstungen bestreiten zu können. 1322 tauschte er vom Domkapital zu Regensburg (unter Bischof Nikolaus) das Patronatsrecht der Wolnzacher Kirche gegen das ihm gehörende von Geisenhausen ein. Im gleichen Jahr war er Bürge für Kaiser Ludwig dem Bayern.1325 erhielt er von diesem Kaiser als Zeichen der Wertschätzung das Küchenmeisteramt nebst allen Lehen Conrads von Bayerbrunn. 1326 löste er von Otto von Laimingen um 300 Pfund Münchener Pfennige die Burg Hardmarsberg nebst mehreren Höfen ein, die Otto's Vater von Kaiser Ludwig verpfändet worden waren. Schon seit älterer Zeit bezogen die Preysinger von Wolnzach 28 Pfd. Pfennige aus der herzoglichen Kammer. Bald darauf dürfte er gestorben sein; jedenfalls gab Agnes, die Witwe Heinrichs des Preysingers von Rosenheim (wo er Richter war) eine Hube an das Kloster Altenhohenau. Ihm gehörte auch Veste und Gericht Reichertshofen. 

Heinrich II. von Wolnzach hatte drei Söhne: 1. Ludwig, der 1334 Eidam der Elisabeth von Bayerbrunn genannt wird, 2. Rudolf 1. und 3. Heinrich III. Rudolf 1. und Heinrich III. wurden die Gründer zweier Linien, die nach verschiedensten Wechselfällen des Schicksals im Jahre 1497 mit dem Domherrn Georg von Preysing im Mannesstamm ausstarben. Gemeinsam verzichteten sie 1334 auf alle Ansprüche auf den Hof zu Buchheim, gemeinsam eigneten sie 1342 dem Kloster Scheyern eine Hube mit Mannschaft in Gnezdorf zu, gemeinsam bekannten sie 1358, ihrem Oheim Heinrich von Lauterbach 300 Pfund Heller schuldig geworden zu sein. Diese hatten sie ihm als väterliches Erbteil seiner Mutter Anna (ihrer Base) herauszuzahlen; sie verpfändeten ihm den Rauthof zu Oberlauterbach (= der Hof, auf dem der Förster gesessen) auch den Hauzzenhof, den Baumgarten zu Oberlauterbach u. a. 1371 gerieten beide - Rudolf im Verein mit seinen Söhnen - in einen heftigen Streit wegen verschiedener Rechte in Markt und Herrschaft Womzach. Dabei fällten die Schiedsrichter Hans der Frauenberger zu Haag und Heinrich der Gumpenberger folgenden Vergleichsspruch: 1. Jeder Teil soll eine Bräustatt, eine Schmiede und eine Fleischbank haben; 2. Die zwei Weiherlein bleiben ausgemarkt; 3. Grenzübertritte sollen auf Grund einer ,,Kundschaft" berichtigt werden; 4. Heinrich der Fleischhacker und der Kastner von Sunniger (letzterer wurde aus Heinrichs d. Preysinger Gefängnis entlassen) sollen dem Rudolf, der Preyental und Werlein der Pogner dem Heinrich gehören, ebenso die Leute zu Mözingen; 5. u. 6. handeln von einem Lehen zu Noderheim; 7. das Amt in Bruckberg sollen beide Brüder gleichheitlich teilen; das Viertel aus dem Burgstall zu Eschelbach soll dem Bruder Heinrich gehören; 8. Heinrich ist dem Rudolf wegen des Sedlmeier nichts schuldig, ebenso Rudolf dem Heinrich nichts wegen eines anderen Untertanen; 9. Heinrich und der Glanz sind ledig; 10. Die Lehen sollen beide Teile gemeinsam vergeben und sich gegenseitig die gemeinsamen Urkunden offenbaren; 11. Die Kinder der Leibeigenen, von denen der Vater dem einen, die Mutter dem anderen gehört, sollen geteilt werden. 

Rudolf 1. wird in einer Urkunde des Jahres 1329 als zukünftiger Gemahl der Beatrix von Bayerbrunn genannt; 1359 soll er eine zweite Ehe eingegangen sein mit Siguna von Waldeck, aus der noch eine Tochter gleichen Namens, die spätere Gattin des Ulrich Egger, stammte. 

1361 verkaufte er ,,all sein Gut zu Roggenstein" bei Alling an Heinrich den Küchenmeister zu Lochhausen.1362 war er Lehensherr über ein Gut zu Geiselhrunn. 1378 verkaufte er zusammen mit seinen Söhnen Ludwig und Konrad das Patronatsrecht zu Guching um 100 fl ,,gut an Geld und zwar an Gewicht". 1381 vermachte er zusammen mit seinem Sohn Konrad zu Bayerbrunn und dem anderen Sohn Rudolf zu Fußberg eine Schenkung zum Gotteshaus in Weyarn. 1385 überließ er der Äbtissin am Angerkloster zu München sein anliegendes Haus. Bald darauf segnete er das Zeitliche. 

Aus seiner ersten Ehe stammten fünf Söhne: Ludwig, Erhard, Jakob, Konrad und Rudolf. 1403 bekannte er für sich und die Kinder seines Bruders Konrad, daß er die Veste und den Markt zu Schwaben den Herzögen Stephan und Ludwig einzulösen übergeben habe. Im gleichen Jahr verkaufte er das Dorf Weichering und die dortige Veste, die früher seinem Bruder Konrad gehört hatten, mit Zugehör, Leuten und Gütern an den Herzog Ludwig (den Gebarteten von Ingolstadt), der im Jahre 1404 für Rudolph II. um 86 ungarische Dukaten Bürgschaft leistete, die Rudolf von Bernhard Auer empfangen hatte. 

1406 verpflichtete er sich mit seiner Hausfrau Anna (geb. Marschalkin), ihr Haus zu Fußberg den Herzögen Ernst und Wilhelm gegen männiglich offen zu halten und dem Abt von Scheyern aus dem Kasten zu Rottenegg 23 Mütel (Metzen) Roggen zu verabreichen. Im gleichen Jahr kaufte Greimold Starzhauser zu Puchersried von unserem Ritter Rudolf zwei Güter zu Wolnzach, die Vogtei zu Feilnbach, einen Hof zu Nietenhausen, die Vogtei zu Wald (= Osterwaal) und einen ,,perlenden Rock" um 300 fl; sicherte sich aber ein Wiederkaufsrecht auf diese Güter (17.3.1406). 

1411 einigte er sich mit Schweiker von Gundelfing dahin, daß ihm dieser die Veste Fußberg überantworten soll. Einen großen Streit und manche Fehde entfachten Rudolf II. und sein Sohn Rudolf (III.) 1413 wegen Zinsen und Renten aus dem Dorf Eschelbach mit Georg von Gumpenberg und ihrem Vetter Heinrich von Preysing zu Wolnzach. Der Spruch der Schiedsrichter verpflichtete die beiden Rudolf, ihrem Vetter Heinrich die bereits zugesprochenen 200 fl zu erlegen, ihm für sieben Hengste - welche er gegen den Münchhauser verlor - 180 fl zu bezahlen und alle Gefangenen freizulassen. 1414 verpfändeten beide Rudolf ihren Weiher zu Dürrenbuch für schuldige 25 fl. 

Die beiden Ritter scheinen unter stetem Geldmangel gelitten zu haben. Daher überließen die Eltern am 1. April 1415 dem Sohn Rudolf (III.) die Veste und Behausung zu Wolnzach mit allem Zubehör, Herrschaften und Gerichten, jedoch in der Weise, dass sein Bruder Konrad gleichen Anteil mit ihm haben sollte. Den Vertrag siegelten der Vater der beiden und Mutters Bruder, Eberhart Schenk aus der Au. 1418 verpfändeten Vater und Sohn schließlich auch noch die Herrschaft Rottenegg an Ortolf den Laiminger zu Forchteneck; zugleich entschuldigte sich der alte Rudolf bei Herzog Ludwig jun. (dem Buckligen) wegen seiner Nichtbesetzung des Landgerichts zu Graisbach. In diesem Jahr dürfte Rudolf II. gestorben sein. Seine 1. Frau Guta, geb. Kuchlerin, ist 1394 gestorben; in zweiter Ehe heiratete er Anna von Schenkenau (Schenk aus der Au). 

Von den beiden Söhnen Rudolf und Conrad setzte Rudolf III. die Linie der Wolnzacher Preysing fort. Er war noch mehr von Geldsorgen geplagt als sein Vater. Streitigkeiten, Fehden und ähnliche Umstände brachten ihn so herunter, dass W. Hundt von ihm in seinem bayerischen Stammesbuch sagt: ,,Vorbemelter Rudolf hat übel gehaust, vil Schulden gemacht, derohalben er dann seinen Teil an dem Schloß zu Wolnzach verkaufen müssen und sonst vil andere Güter mehr. Er hat ihme ( sich) bey Hertzog Albrechten' Graven zu Vohburg um 500 fl ein Leibgeding von 50 fl erkauft, ist ihm wider abgelöst worden." 

1420 verkaufte er mit seinem Bruder Conrad Fußberg, Gauting und Freiham an Hans Part und Hanns Pütrich in München und ,,werden am 13.4. des gleichen Jahres von beiden letzteren ihrer Haftung entbunden". 1424 verkaufte Rudolf III. sein ,,Jus Praesentationis" auf die Pfarrei Gosseltshausen an Ulrich Edelmann zu Starzhausen, damaligen Pfleger zu Vohburg. 1427 machte sein Bruder Conrad mit ihm einen Vertrag wegen des Mitbesitzes der Veste zu Wolnzach. Darin heisst es unter anderem: ,,mer ist geredt (= vereinbart), was mein Bruder Rudolf paut an dem Schloß, Fest oder Vorhof zu Wolnzach' das soll ich, Conrad, ihm halt ausrichten". Konrad übernahm auch die Hälfte der väterlichen Schulden und verzichtete auf jene 30 fl' die ihm sein Bruder Rudolf jährlich zahlen sollte. Weiter durfte Rudolf den Anteil Konrads an der Veste zu Wolnzach um die gleiche Summe versetzen, für welche dieser Anteil ihm von Konrad verpfändet war. Zeugen dieser Verabredung waren Jörg Flitzinger und Andre Haller von Wolnzach. Im gleichen Jahr wurde Rudolf Schulden halber von Hilprant Milhofer, Bürger zu Kehlhaym beim Gericht Pfaffenhofen (wegen einer Schuld von 140 fl) verklagt. 

1428 verkaufte er die obere Mühl zu Wolnzach an Jorg Geiselbrunner, Bürger zu Wolnzach. 1430 versetzt seine Hausfrau Anna das hintere Viertel der Veste zu Wolnzach an Vetter Thomas Preysinger. 1431 verkauften die Eheleute mehrere Hofstätten zu Wolnzach an Ulrich Edelmann zu Starzhausen und zwar die Hofstatt, ,,da aufsitzt der Wölfl Peck und Märtel, der Jud, zwei Hofstätten des Conrad Neupeck und Sabel, des Juden; einen Garten, den der Gräulich besaß, und eine Hofstatt die der Schäffler lehenweise hatte". In der großen Not streckte ihm Herzog Albrecht ,,der wegen der unglücklichen Agnes Bernauerin bekannt ist", 115 fl vor, wogegen Rudolf demselben am 30. Januar 1437 die drei Vierteile seiner Veste zu Wolnzach verpfändete. 

Als auch das nichts mehr half, verkauften er und seine Hausfrau ein Jahr später (2.3.1438) diesem Herzog, Grafen von Vohburg, die drei Viertel seines Stammguts samt dem Burgstall, darauf die Veste steht; und den Schloßgraben, ,,der da reicht um die Veste und Vorhof zu Wolnzach mit Grund und Boden, mit Dämmen und Ablass ... in aller Maß, als sie dieser Graben umfangen hat, für freieigenes Gut, jedoch gegen Wiederlosungsrecht, um 500 ungarische und 1530 rheinische fl". Mitsiegler waren Friedrich Stahel, Jägermeister und Eberhart Torer. Herzog Albrecht kaufte von Thomas v. Preysing auch das letzte Viertel des Schlosses und verpfändete nun das ganze Schloss an Thomas statt der Kaufsumme mit der Auflage, es ihm jederzeit zu öffnen (22.2.1439). 

Rudolf III. hatte von seiner Gattin Anna, geb. Marschalk, zwei Söhne und zwei Töchter:

1. Luzia: Sie wurde Gattin eines Freiberger und liegt zu Aichach begraben (+1440).

2. Elisabeth: Sie heiratete 1438 Andre v. Schwarzenstein zu Engelsburg; ihr Heiratsvertrag wurde aber nicht von ihrem Vater, sondern von Thomas Preysinger errichtet. Ihre vier Kinder hießen Georg, Andre, Amalie und Benigna. 

3. Hans: Insgeheim der Jüngere genannt, war 1436 mit seinem Bruder Jörg Mitverkäufer des hinteren Viertel der Veste Wolnzach an den Vetter Thomas; mit seinem Bruder wurde er 1445 von Kaiser Friedrich ,,mit der Bannstatt" daselbst belehnt. 1449 (am Samstag nach Pfingsten) erhielt er Wolnzach von Herzog Albrecht wieder zurück, wenn auch mit der ausdrücklichen Bedingung, ,,daß dieses - vom Herzog Albrech neu erbaute Schloß - für immer dessen offenes Haus sein und bleiben muß". Hieraus ist der Anspruch der bayerischen Herzöge auf Schloß und Herrschafi Wolnzach abzuleiten. Hans der Jüngere wurde 1455 den Georg Gerlbauer eine Summe Geldes schuldig; er starb bald darauf ohne Kinder. 

4. Georg: Er widmete sich dem geistlichen Stand und wurde 1443 Domherr zu Freising, bekleidete die Würde eines Probstes zu St. Johann und war zugleich Domherr zu Regensburg. Nach dem Tod seines Vetters' des Ritters Hans von Preysing d. Älteren zu Au und Seefeld (6.5.1472), war er der letzte männliche Sproß aller Preysing zu Wolnzach. Das führte zu erheblichen Erbstreitigkeiten. Um diese zu beseitigen, überließ er den Brüdern Georg, Seiz und Wilhelm von Törring - ihre Mutter war eine geb. Preysing - die Vesten Seefeld und Tinzelbach; dagegen forderte er den Verzicht auf jenen Anteil auf Wolnzach, der dem Bruder der Barbara, Thomas v. Preysing, zugestanden wäre. Das ist geschehen am 8. März 1472. 

Durch einen ähnlichen Vertrag überließ er im gleichen Jahr das Auer Halsgericht den beiden Töchtern des Ritters Johann von Preysing: Barbara von Thurn und Margaret Zenger. Beide wurden am 2. Juli 1472 von Herzog Ludwig damit belehnt. Wolnzach wollte er für sich allein behalten. Damit aber waren die beiden Schwestern nicht zufrieden; so wurde denn 1477 ein weiterer Vertrag abgeschlossen dahin, dass diesen Schwestern Au und Paunzhausen ganz verbleiben und wegen des Mehrwerts von Wolnzach zusätzlich 2200 fi hinausbezahlt werden sollten. Auch damit waren die beiden nicht einverstanden; sie stellten Klage beim Landgericht Pfaffenhofen. Das aber missfiel dem Herzog Georg d. Reichen von Landshut; er forderte eine Entscheidung vor seinem Gericht in Landshut mit der Begründung, dass er der eigentliche Lehensherr sei (11. Juli 1481). 

Der Domherr appellierte daraufhin an den Kaiser. Und dieser - Friedrich III. - gab dem Herzog Albrecht IV. den Befehl, den Regensburger Domherrn und die beiden Schwestern gegen Herzog Georg in Sachen Schloß und Markt Wolnzach zu schützen (24.2.1482). Aber Herzog Georg machte wenig Federlesens: ,,Anno 1482 am sonntag von der rosen zu mittfasten (10. 3.) namb herzog Georg von Bayern durch Ludwig von Habsperg ein das geschloß und Markt Wollentzach wider herr Georgen Preysinger' thumbherrn zu Regensburg, der das etlich jahr besessen hat alß ein rechter erb (darzu doch der herzog kein recht hat), und gestorben ist zu Regensburg anno 1497".

Ludwig von Habsberg, Landrichter von Marstetten, zugleich Pfleger und Landrichter zu Weißenhorn, 1482 Rat des Herzogs Georg, 1489 herzogl. Marschall, scheint für derartige Gewaltunternehmungen besonders geeignet gewesen zu sein; denn Kaiser Friedrich III. sah sich wiederholt veranlasst, Urteile von ihm für ungültig zu erklären und ihm zu verbieten, weiterhin Reichsuntertanen an sein Gericht zu ziehen. 

Das einzige, was der Domherr tun konnte, um aus der Klemme zu kommen, tat er: Er verzichtete auf Schloss und Markt Wolnzach gegen eine Geldentschädigung und verglich sich mit seinen Basen 1487 durch einen Kompromiss. Von der Kaufsumme des Herzog Georg sollten diese den 9. Teil bekommen; er selbst begnügte sich mit 8 000 fl' welche Summe nach seinem Tod den beiden Schwestern hinausbezahlt wurde (1497). Die Preysinger zu Arnbach und Kronwinkel, eine Seitenlinie der Wolnzacher Preysing, gingen bei diesem Handelleer aus. Zwar überreichte Christoph v. Preysing zu Kronwinkel im Jahr 1512 dem Kaiser Maximilian 1. auf dem Reichstag zu Köln eine Bittschrift um Belehnung mit der Herrschaft Wolnzach aber umsonst. Der Edelsitz und die Hofmark Wolnzach waren für die Preysing für immer verloren.

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